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St. Galler Tagblatt, 8.12.2009 / Tagblatt, Ausgabe für den Kt. Thurgau TG-Bischofszell

Silberlinden erhitzen Gemüter

Im Steig-Quartier in Bischofszell biegen sich im Sturm der Entrüstung die Bäume: Die einen Bewohner möchten die alten Silberlinden unbedingt erhalten, die anderen wollen sie zwingend fällen.
Urs Bänziger

bischofszell. Theres Fässler und ihre Mitstreiter lassen nicht locker. «Es ist es wert, dass wir um den Erhalt dieser prächtigen Bäume kämpfen.» Die alten Silberlinden sorgen in Bischofszell für Diskussionsstoff. Sie habe von vielen Seiten Zuspruch erhalten, sagt Fässler. «Das Schicksal der Bäume bewegt die Leute.» Im Steig-Quartier sind die Meinungen jedoch gespalten. Die direkten Anstösser wollen, dass die über 100jährigen Bäume gefällt werden. «Sie sind krank und eine Gefahr», sagt Ruedi Stark. Die Bäume befänden sich an einem Schul- und Spazierweg. «Die Sicherheit der Schulkinder und Spaziergänger, aber auch für uns Anstösser ist nicht mehr gewährleistet.» Die Silberlinden stehenzulassen, sei fahrlässig. Stark erinnert an einen Vorfall, der sich vor rund 15 Jahren ereignet hatte. «Damals stürzte ein Hauptast auf das Garagendach unseres Nachbarn Büchler. Es war Glück, dass niemand verletzt wurde.»

Völlig eingedrückt

Auch Cäcilia Keller, die mit ihrem Gatten Walter ebenfalls zu den Anstössern gehört, erinnert sich noch gut an diesen Vorfall. «Durch den herabstürzenden Ast wurde die Garage völlig eingedrückt.» Die Silberlinde, an der sich der Ast gelöst habe, sei danach gefällt worden. Seither sei an den Bäumen nichts mehr gemacht worden. Es komme immer wieder vor, dass kleinere Äste herabstürzen. Auch für Cäcilia Keller ist klar: «Es ist an der Zeit, dass die Silberlinden gefällt werden. Die Gefahr ist einfach zu gross geworden». Auch Bäume lebten ja schliesslich nicht ewig. «Wenn sie blühen, verbreiten sie einen widerlichen Geruch.» Theres Fässler und andere Bewohner im Steig-Quartier hätten gut reden. «Sie sind ja nicht Anstösser und direkt gefährdet.» Keller und Stark sind sich einig, dass es sich nicht mehr lohnt, die fünf Silberlinden zu erhalten. «Aufwand und Risiko sind viel zu gross.»

Mehrere tausend Franken

40 000 bis 50 000 Franken würde die Baumpflege kosten, sagt der Präsident der Bischofszeller Naturschutzkommission, Stadtrat Armin Bolliger. Obwohl so viel Steuergelder eingesetzt würden, gebe es keine Garantie, dass die Silberlinden keine Gefahr mehr sind und vor Altersschwäche nicht umkippen. «So viel Geld für den Erhalt einzusetzen, wäre ein völliger Blödsinn», sagt Ruedi Stark. «Wir Anstösser wollen auch, dass die Baumgruppe erhalten bleibt, aber das mit jungen, gesunden einheimischen Linden.»

Unter Schutz gestellt

Die Baumschützer müssen zumindest nicht befürchten, dass die Silberlinden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gefällt werden. Denn die Baumgruppe ist im Zuge der Umsetzung des Natur- und Heimatschutzgesetzes vor ein paar Jahren als schützenswert inventarisiert worden. Theres Fässler weiss, dass «die Sache jetzt dem Kanton zur rechtlichen Abklärung vorliegt», doch das will Armin Bolliger nicht bestätigen. Fakt für ihn ist, dass seine Bemühungen, die beiden gegnerischen Parteien einander näherzubringen, um einen Konsens zu finden, gescheitert sind. «Für mich hat die Sicherheit oberste Priorität», betont Bolliger. Absicht der Naturschutzkommission sei es, die Silberlinden Stück um Stück durch junge und einheimische Linden zu ersetzen.

Ans Herz gewachsen

Vielen Bischofszellerinnen und Bischofszellern seien die Silberlinden ans Herz gewachsen, sagt Stadtammann Josef Mattle. «Auch ich verbinde Jugenderinnerungen mit diesen prächtigen Bäumen.» Eigentümerin des Grundstücks beim Steig-Reservoir sei die Stadt. Die Stadtbehörde dürfe sich jedoch nicht von Emotionen leiten lassen. Rein rechtlich sei es so, dass die Baumgruppe als Ganzes erhalten werden müsse, jedoch einzelne Bäume ersetzt werden könnten, wenn dies die Situation erforderlich mache. «Der Stadtrat ist jetzt daran, alle Möglichkeiten abzuwägen, und wird dann entscheiden.»

Die Anwohner sehen in den Silberlinden eine Gefahr, andere Bischofszeller möchten die Bäume schützen.

 


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